Negative Menschen ausbremsen

von | 14 Januar 2019 | Praktische Tipps

V or Kurzem war ich in Wien mit der Schnellbahn vom Rennweg zum Bahnhof Meidling unterwegs. Und wie es der Zufall will, sind mit mir drei Kinder zwischen 8 und12 Jahren eingestiegen. Eltern konnte ich keine entdecken aber die Kinder hatten großen Spaß, rannten im Waggon umher, spielten fangen und fanden noch einige andere Belustigungen.

Ich spürte bei einigen Mitreisenden Unmut und merkte, wie ihre Gefühle höher und höher kochten. Ich wollte diese Stimmung aber bei dieser Fahrt nicht akzeptieren und entschloss mich deswegen, eine kleine Intervention mit positiver Kommunikation zu starten. Zu meiner älteren Sitznachbarin gebeugt sagte ich laut, auch für die anderen, vernehmlich: „Ist es nicht schön, welche Lebensfreude die Kinder ausstrahlen? Sie erinnern mich an meine Kindheit. Ich war auch nicht zu bremsen. Beim Zuschauen geht mir das Herz auf und ich habe dabei genauso viel Spaß wie die Kinder. Ich verstehe gar nicht, wie man solch eine kindliche Ausgelassenheit nicht mögen kann. Jeder von uns war ja auch mal Kind und erinnert sich hoffentlich daran.“ Die Dame erwiderte in typisch wienerischer Manier: „Stimmt eh!“.

Mit diesen wenigen Sätzen gelang es, die Spannung aus dem Waggon zu vertreiben. Ich stieg zusammen mit den Kindern gut gelaunt aus dem Zug und war zufrieden, dass diese Situation nicht eskalierte und hoffte, bei dem einen oder der anderen etwas mehr Verständnis erreicht zu haben.

Wie genau wirkte hier die positive Kommunikation?

Sehen wir uns die „Intervention“ doch im Detail an. Zuerst setzte ich einen positiven Frame, in dem ich das Verhalten der Kinder als Ausdruck ihrer Lebensfreude bezeichnete. Danach hob ich das Verhalten in einen größeren Kontext und verwies auf meine Kindheit. Das heißt, ich zeigte meine Identifikation mit dem Verhalten und verwies dabei auf das gleiche Verhalten, das ich als Kind an den Tag gelegt hatte. Durch die Bekundung meines Unverständnisses für die Nichtakzeptanz dieses Verhaltens und dem Verweis, dass wir uns alle als Kinder ähnlich verhalten hatten, baute ich die Brücke zwischen meinem und dem Verhalten der Mitreisenden als Kind und den damit verbundenen Glücksgefühlen und dem ausgelassenen Treiben der Kinder heute. Gerade das war in diesem Fall wichtig, da es sich bei den Kindern um dunkelhäutige Jungen und Mädchen handelte. Dadurch wurde ihre Abstammung in den Hintergrund gerückt und die Gemeinsamkeit von Kindheit an sich in den Vordergrund gestellt.

Dies ist ein praktisches Beispiel, wie man negative Stimmungen und Situationen bereits in der Entstehung abschwächt. Im nächsten Post werde ich Ihnen zeigen, wie ich mit wenig empathischem Verhalten von Menschen umgehe.